Corona-Chroniken Teil 3

Text Anna Schrader (https://ephemerispermixtionis.wordpress.com)

Illustrationen Manja Kläwer (StiftMarkerPapier)

Der Vater der Kinder und warum mir der Schulcaterer am meisten fehlt

Meine Kinder haben übrigens auch einen Vater. Der wohnt sogar auch hier. 

Aber der darf noch ins Büro. Er dürfte auch ins Home Office, aber er hat einen gesunden Überlebensinstinkt und geht lieber ins Büro. Scheiß-Verpisser. Kluger Mann.

Zu seinem Leidwesen und meiner Erleichterung wurde er zwischendurch mal gezwungen, Überstunden abzubauen und zu Hause zu bleiben. In der Zeit nahm er sich des kleinen Verweigerers an und erinnerte den alle 10 Sekunden daran, nicht in die Luft zu starren, sondern ins Heft zu schreiben, während ich mich zwischen Darmschleimhaut-Artikeln und den alten Griechen hin- und herbewegte. Sollte jemand mal beim Lesen eines Artikels über Morbus Crohn verwundert sein, wie trojanische Pferde in die Darmschleimhaut geraten können – einfach ignorieren. Das trojanische Pferd gehört natürlich in den Artikel über das Leaky-Gut-Syndrom, das weiß doch jeder. 

Was mich auch stresst, ist die nicht immer funktionierende Rufumleitung auf mein Handy. Manchmal kommt den ganzen Tag kein Anruf, dann landen plötzlich auf meinem Handy die Anrufe für meine Kollegin aus der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung, bevorzugt, wenn ich schon längst Feierabend habe und mein Handy gerade für Pokémon Go benötigt wird. Aber wir Mütter sind ja Multi-Tasking-fähig, ich kann gleichzeitig mit meinem Handy ein Bisasam fangen und einer Heilpraktikerin erklären, warum man bei Histamin-Intoleranz das Darmschleimhaut-Therapeutikum nur einschleichend dosieren darf. 

Aber wer mir WIRKLICH viel Arbeit abgenommen hat vor Corona sind der Schulcaterer und der Hort-Koch.

Ist das eigentlich normal, dass Kinder 14 Mal pro Tag essen wollen, bevorzugt warm? Vor Corona musste ich morgens ein Frühstück (Müsli mit Hafermilch) zur Verfügung stellen, für den Vormittag eine Snackbox packen (Vollkornbrot, Gurke, Apfel, Paprika – schnell gemacht!) und irgendwann abends nochmal etwas Brot und Belag auf den Markt werfen. Seit Corona bin ich für 100 % aller Mahlzeiten meiner Brut zuständig. Und für meine eigenen Mahlzeiten. Vorbei sind die Zeiten, wo man abends einfach mal ein paar Tapas essen ging, während die Kinder mit der Babysitterin Tip Toi spielten. Stay at home ist auch eat at home. Und wer kocht? Mama. Morgens, mittags, abends und dazwischen. Und im Gegensatz zum landläufigen Vorurteil nicht täglich Nudeln mit Klopapier.

Was sich neben der Ernährung noch drastisch verändert seit Corona ist das Zeitgefühl. Jeden Morgen kommen die Kinder später raus aus dem Bett, jeden Abend später rein ins Bett. Der Zeitpunkt, an dem ich mir einen Cider aus dem Kühlschrank hole, kommt dafür jeden Tag etwas früher. Entgegen der bisherigen Vermutungen der Wissenschaft schädigt das Virus neben Lunge und Nieren auch sehr nachhaltig die Leber.