Corona ChrOniken Teil 4

Text Anna Schrader (https://ephemerispermixtionis.wordpress.com)

Illustrationen Manja Kläwer (StiftMarkerPapier)

Team Stay at Home oder Team Zwangsimpfung und was Alexander der Große damit zu tun hat

Kommen wir zum nächsten Punkt, der die Corona-Krise für mich bedrohlich macht: Die Notwendigkeit, sich zu positionieren. Wer vor der Mundschutz-Pflicht mit Mundschutz einkaufen ging, war ein Opfer der medialen Panikmache. Wer jetzt ohne Mundschutz einzukaufen versucht, ist ein gesellschaftsgefährdender Aluhut-Träger.

Und jeder Mensch, mit dem man ins Gespräch kommt, wird sorgfältig einsortiert. Team stay at home, Drosten-Podcast und Mundschutz vs. Team Wodarg, Bill Gates und Zwangsimpfung. Ich habe mich in Team Drosten positioniert und fühle mich da meistens gut aufgehoben, aber bin hoffnungslos überfordert, wenn jemand vom anderen Team mit mit Youtube-Argumenten an die Wand quatschen will. 

Ich habe keine Lust, zu „recherchieren“, wer die Geldgeber des RKI sind. Es ist mir sogar scheißegal. Ich will einfach nur, dass keine Leute an Covid 19 sterben, ganz besonders bitte niemand aus meinem Umfeld. Ich will das Zeug selbst auch nicht haben, wenn’s geht. Und wenn ich es doch kriege, hätte ich gern medizinische Versorgung von noch nicht total ausgebrannten Ärztinnen und Pflegern und ein Klinikbett für mich allein. Darum finde ich die stay at home Geschichte zwar nervig, aber notwendig. Das qualifiziert mich natürlich zum von der gleichgeschalteten Mainstream-Presse hypnotisierten Schlaf-Schaf.

Bisher liegt nur eine Freundschaft auf Eis, Corona-Kryo-Therapie sozusagen, aber ich muss ernsthaft darüber nachdenken, auch den Zahnarzt zu wechseln, da mein bisheriger mir, während mein Kiefer bewegungsunfähig fixiert war, lange Vorträge über den teuflischen Plan von Bill Gates hielt. 


Zum Glück habe ich wenig Zeit, mir über meine zwischenmenschlichen Beziehungen Gedanken zu machen, denn ich verbringe immer noch die meiste Zeit mit Alexander dem Großen (nein, mein Sohn heißt nicht Alexander, er muss nur die Route von dessen Zug auswendig lernen) und mit dem Verlängern von Adjektiven. 

Nach zwei Wochen Intensiv-Home-Schooling mit Home Office musste ich kapitulieren: Mit dem Wissen, dass mein Chef eigentlich Kurzarbeit anmelden müsste, aber dem Team die Gehaltseinbußen nicht zumuten wollte, bat ich ihn, für mich Kurzarbeit anzumelden.

Die Aktionen der nächsten Monate sind vorgeplant und müssen nur noch zum jewiligen Termin zum Lettershop gegeben werden, Tagesgeschäft haben wir fast gar nicht mehr – meine Bitte wurde erhört. Seit einigen Tagen kann ich mich also in Vollzeit auf das Home Schooling konzentrieren und schaue nur jeden zweiten Tag mal in die E-Mails, ob was anbrennt. Eigentlich müsste ich jetzt tiefenentspannt sein. BIN ICH ABER NICHT.

Es ist leider so: Wenn ich der Meinung gewesen wäre, ich hätte ein Talent, Dinge zu erklären, dann hätte ich Lehramt studiert. Habe ich aber nicht. Ich mache Marketing, weil man da nicht lange rumerklären muss, man muss die Zielgruppe eher auf einer emotionalen Ebene zu packen kriegen, zu viel Detailwissen würde die nur verunsichern. Und jetzt soll ich die Stationen des Alexanderzugs aufsagen können? Und mal ehrlich – was hatte der Typ denn für ein Navi? Hin und zurück und nochmal Richtung Osten und wieder Susa… Der Heini hätte Hermes-Fahrer werden sollen!